Vorlesungsreihe Lernen im Spannungsfeld der Perspektiven
Ein Beitrag zur Psychologie der Sinnesmodalitäten und zur Didaktik
von Dr. Martin Liechti.
Die Leistungen der Sinnesorgane sind in früheren Phasen der Entwicklung des Menschen auf ganz bestimmte Verhaltensweisen bezogen gewesen. Unverkennbar betraf diese Beziehung primär den motorischen Apparat, d.h. die Leistungen der Sinnesorgane waren auf die Leistungen des motorischen Apparates abgestimmt. Im Lauf der Zeit ist diese unmittelbare Verknüpfung von Wahrnehmung und Bewegung entkoppelt worden. Die Sinnesorgane wurden freigesetzt für Funktionen, die über den motorischen Bereich hinausgehen. Auf dem Weg des Lernens müssen sich die Sinnestätigkeiten ständig neuen Reizsituationen und kulturellen Verhaltensanforderungen anpassen, welche die ursprüngliche Einheit von Wahrnehmung und Bewegung immer weiter aufbrechen. Die Sinne werden instrumentalisiert, isoliert und in dem Sinn entfremdet‘, dass sie gebraucht werden für Anwendungen, die mit den eigenen Bedürfnissen des Organismus selbst gar nichts mehr direkt zu tun haben, sondern z.B. mit den spezifischen Anforderungen, welche ihnen an den Schnittstellen Mensch-Technik oder in einseitig kognitivistischem Unterricht auferlegt werden.






