Wieviel Schule erträgt das Leben? - Bildungsverweigerung in einer "totally pedagogized society": Vortrag mit Diskussion

Referat: Prof. Dr. Roland Reichenbach
Moderation: Prof. Dr. Ueli Mäder


Montag, 7. November 2011, 18.15 Uhr

Raum 102, Kollegiengebäude der Universität Basel

Vor der Gefahr des "Pädagogismus", der "schrankenlosen Ausdehnung des pädagogischen Anspruchs", hat der wohl einflussreichste Soziologe der frühen Bundesrepublik Helmut Schelsky bereits 1961 gewarnt. Schlesky kritisierte damals heftig die Idee, wonach Erwachsene zum "animal educandum" erklärt und selbst in Organisationen zur "dauernden Bildung" verpflichtet würden. Schelsky, wenn auch in vielerlei Hinsicht ein äusserst problematischer Autor, hat diese ambivalente Entwicklung der Bildungsansprüche früh artikuliert.

Bildungsversprechen, die nicht - oder von vielen nicht - eingelöst werden können, sind nicht die einzige, aber doch eine wichtige Ursache für die verständliche Unzufriedenheit, die manchmal in Krawall und Gewalt umschlägt – die Jugendunruhen in England in diesem Jahr und ähnliche in Frankreich vor einigen Jahren sind nur einige wenige aktuelle Beispiele. Eine gegenteilige Form der Selbstausbürgerung sind die sogenannten Hikikomori in Japan, meist junge Menschen, die sich der Gesellschaft möglichst vollständig entziehen.
Diese Phänomene sind Anlass zu kritischen Fragen nach der Bedeutung des zunehmend verschulten Lebens.

Eine gemeinsame Veranstaltung des Advanced Study Centre und des Studiengangs UP Interdisziplinäre Konfliktanalyse und Konfliktbewältigung der Universität Basel.

 

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